Institut für theatrale
Angelegenheiten
Wartenburg- Rettet das Dorf
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Ortsspezifische Schauspiel-, Kunst-, Film- und Klangkunst-Inszenierung Seit dem die Wahlergebnisse die Macht der alten Volksparteien schwinden lassen, wird nun intensiver darüber nachgedacht wie desillusionierte LandbewohnerInnen politisch erreicht und überzeugt werden können. Diese Chance wollen WIR nutzen: „Hallo Politik! Entweder ihr rettet die kleinen Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder und Bibliotheken und fördert Kultur im ländlichen Raum oder WIR übernehmen die Einrichtungen selbst und Ihr unterstützt uns dabei, sonst wählen WIR Euch nie wieder. So einfach ist das!“

HINTERGRUND:
Die eine Wahrheit ist: Das Dorf stirbt. Wartenburg ist seit 1980 von 1200 auf ca. 650 BewohnerInnen geschrumpft und hat seine Schule, sein Dorfkino, seine Bibliothek und andere Einrichtungen schließen müssen. Die Schule steht seit zehn Jahren leer und verfällt, eine Grundschule im Nachbardorf ist ohne Schulleitung: die Teilzeit-Schulleiterin hatte drei Wochenstunden für die Schule zur Verfügung. Sie kündigte frustriert. Für 4 Klassen gab es monatelang nur 3 Lehrer und keine päd. Betreuung. Der Pastor ist selten vor Ort, weil er zehn Gemeinden betreuen muss. Im Nachbarort steht eine Kirche, die verfällt und in Wartenburg ist die Orgel verstummt ist, wahrscheinlich für immer.  Da sind die letzten Geschäfte, viele von Frauen betrieben, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und keine Nachfolgerinnen finden. Die Tage des letzten Gasthofes sind gezählt. Die älteren Menschen fragen sich, wie sie im Dorf versorgt werden, wenn nur noch Alte übrig sind. Es wird verzweifelt nach LehrerInnen und ÄrztInnen gesucht. Junge Familien ziehen aber vorzugsweise dahin, wo Schule und Kindergarten existieren, weil der Weg zum Arbeitsplatz weit genug ist. Die mittleren Landwirtschaftlichen Betriebe weichen automatisierten Maschinenparks. Wer die Provinz politisch für sich gewinnt, bestimmt mit, wie sich Europa in Zukunft entwickelt. Der Rechtsruck ist da. Überlebensstrategien sind gefragt.
Die andere Wahrheit ist: Das Dorf lebt. Die Menschen vor Ort haben die Möglichkeit das Ruder herum zu reißen. Sie kennen ihre Vergangenheit, bewahren und pflegen kollektive Erinnerungen, Vereinsleben, leben Geschichte, Tradition, und Kultur. Sie packen an, organisieren Feste und Arbeiten, engagieren sich für die Bildung und Zukunft ihrer Kinder. Sie leben auf fruchtbarer Erde und bestellen ihre Gärten. Bei der nächsten Bankenkrise, wenn die Geldautomaten leer bleiben, kann man hier gut weiterleben. Wir als Kunstschaffende haben gemerkt, dass es keinen besseren Ort gibt, um Theater zu machen, als ein Dorf, wie Wartenburg.

100 Dorfbewohner*innen (Jugendliche&Erwachsene), 10 Künstler*innen (u.a. Musik, Regie, Dramaturg, Schauspiel, Film) und 15 Studierenden aus 7 Bundesländern werden im Sommer 2019 eine interdisziplinäre dramatische Inszenierung, an verschiedenen Spiel-, Kunst- und Un-Orten im öffentlichen Dorf- und Landschaftsraum entwickeln: Leerstand, Bushaltestellen, Gärten, Plätze, Kirche, Grundstücksmauern, u. Brachen werden künstlerisch bespielt und transformiert.
Mit freundlicher Förderung durch den Fonds Soziokultur, Lotto Sachsen-Anhalt, das Land Sachsen-Anhalt, und die LAG Spiel in SH e.V.. Das Projekt ist nominiert für den Innovationspreis des Fonds Soziokultur 2019


Premieren/ Ausstellung und Aufführungen:
9.-11. August 2019 20.00 Uhr / Einlass ab 19.00 Uhr/ Startpunkt: Dorfkirche Eintritt: 8/5 Euro Publikumstransfer per Reisebus: Halle/Saale 17.00 Uhr Franckesche Stiftungen- Franckeplatz 2/ (nur am 10.08.2019) Wittenberg 18.30 Uhr Schlossplatz (09.-11.08.2019) Reservierung Tickets: reservierung@theatrale-angelegenheiten.de Bustransfer: bustransfer@theatrale-angelegenheiten.de Fragen: info@theatrale-angelegenheiten.de